Ich weiß, es wird langsam langweilig. Das liegt aber nicht an mir, denn ich warte nur auf die Antwort auf eine ganz einfache Frage, die
übrigens der einzige Anlass zu diesem Thread ist: Wie viel Geld hat WordPress Deutschland von LinkLift dafür bekommen, dass die "deutsche Version" von WordPress 2.3 mit einem Werbe-Plugin für die Benutzung von LinkLift ausgestattet wurde? Ich interessiere mich gar nicht für den genauen Betrag, aber eine Größenordnung (sechsstellig, siebenstellig? Oder seid ihr dumme Kaufleute, die sich billig verkaufen?) würde schon helfen. Oder gibt es einfach nur eine Provision für jeden WordPress-Anwender, der jetzt Ads über LinkLift einblendet? Das wäre auch ein Finanzierungsmodell, das nicht nur dem Blogger nützt, sondern auch WordPress Deutschland - es wäre dann aber erst recht gut, wenn die Blogger es auch wüssten.
Ein Vorwurf ist mit dieser Frage nicht verbunden. Nur ein Bedürfnis nach Klärung. Das liegt in der Natur einer Frage, dass ein Bedürfnis nach Klärung besteht, oder?
Es ist natürlich niemand gezwungen, auf eine einfache Frage eine Antwort zu geben. Wenn eine Frage nicht beantwortet wird, ist das auch eine gewisse Form der Mitteilung, darüber hinaus auch die Mitteilung eines gewissen Charakters beim Menschen, der so verfährt. Ob der daraus entstehende Eindruck erwünscht ist, liegt natürlich in der Verantwortung dessen, der so verfährt. Vielleicht ist die Frage ja wirklich so schwachsinnig, dass eine solche Verfahrensweise angemessen ist, ich will das gar nicht ausschließen.
Man kann natürlich auch die allzu direkte Offenbarung des Charkaters vermeiden und statt einer einfachen Antwort auf eine ebenso einfache Frage verschiedene Scheinantworten geben. Dieser auch in Politik und Wirtschaft sehr beliebte rhetorische Kunstgriff sucht den Fragesteller in andere Themen zu verheddern und sich auf diese Weise vor der Antwort zu drücken, um nicht einfach "das beantworte ich nicht" sagen zu müssen. Es ist eine besonders kalte Art, mit einer einfachen Frage umzugehen, und ob dieser Eindruck von Kälte erwünscht ist, liegt ebenfalls in der Verantwortung dessen, der so verfährt. Genau dieser Stil schlägt mir hier von Jottlieb entgegen.
Um weitere Unklarheiten auszuräumen, gehe ich jetzt noch einmal ganz ausführlich auf jene Punkte ein, die mir hier immer wieder vorgehalten werden, um meine einfache Frage nicht zu beantworten.
Ist die Auslieferung eines Werbe-Plugins Spam?
In meinen Augen handelt es sich um eine
neue Form der Spam, ganz entschieden. Das ändert sich auch nicht dadurch, dass niemand zur Aktivierung oder Installation des Plugins gezwungen wird. Wer sich die "deutsche Version" von WordPress herunterlädt, der holt sich damit gleichzeitig ein Plugin herunter, das dazu dient, einen bislang eher unbekannten kommerziellen Dienst bekannt zu machen und zu seiner Benutzung anzuregen. Die Verbreitung dieser Form der "Verbraucherinformation" ist automatisch und massenhaft, gar nicht anders, als wenn sie durch unverlangte Massenmail erfolgte. Niemand, der von einer einigermaßen offiziellen Site im Internet den Quelltext eines OS-Projektes herunterlädt, rechnet damit, dass dieses mit irgendeiner Form von Werbung durchdrungen ist. Diese Werbeform ist bislang einzigartig, es handelt sich also um eine kreative Form der Spam.
Das Akismet-Plugin zur Vermeidung von Kommentar-Spam ist nicht mit einem Plugin vergleichbar, das ausschließlich dazu dient, einen bislang unbekannten, auf Gewinnerzielung ausgerichteten Ad-Dienst bekannt zu machen und zu einem Marktanteil unter Bloggern zu verhelfen. Diese Dienste miteinander zu vergleichen ist so, als vergliche man Äpfel mit Kieselsteinen, ich nehme zur Entlastung von Jottlieb allerdings an, dass ein solcher Vergleich "im Eifer des Gefechts" und nicht in garstiger rhetorischer Absicht erfolgte. Es ist eben nicht jedes mitgelieferte Plugin als Spam zu betrachten.
Ist es schlecht, kostendeckend zu arbeiten?
Aber nein doch! Ich sage ja auch nichts gegen Ads auf den Seiten von WordPress Deutschland, ich bin mir des Problemes der Finanzierung durchaus bewusst. Ich mache zusammen mit ein paar anderen Künstlern aus Hannover regelmäßig Veranstaltungen, und ich weiß, was es bedeutet, Kosten wieder "reinkriegen" zu müssen - vor allem, wenn man als armer Mensch dafür mithaftet. Zum Glück ist uns das bislang gelungen.
Es ist uns allerdings ohne Spam gelungen. (Und übrigens auch ohne Werbung, aber sehr wohl mit ganz offenen und transparenten Kooperationen.) Wir sind nicht kommerziell, haben keine Absicht, Gewinn zu erwirtschaften, und wenn es ein Kostenproblem gibt, müssen wir kürzer treten. Einige unterstützen uns mit Spenden, andere konsumieren uns einfach.
Ist Werbung schlecht?
In meinen Augen ja, aber das ist eine "religiöse" Debatte, bei der man zu keinem Ergebnis kommen kann. Ähnlich wie die Frage unter Unixern, ob man mit emacs oder vi editiert. Deshalb habe ich die Frage auch gar nicht aufgeworfen, und ich lasse sie mir auch nicht von
SuMu aufdrängen. Nur soviel: Ich habe kein Auto, und mein Fahrrad hat nur die unvermeidliche Werbung (eine Prägung am Mantel auf dem Vorder- und Hinterrad, die kaum sichtbar ist). Wenn ich das Geld für ein Auto hätte, würde ich davon lieber essen, ich bin nämlich arm.
Ist Spam schlecht?
Auf jeden Fall ist Spam schlecht, da sie Menschen durch Überrumpelung und Missbrauch von Kommunikations-Infrastruktur mit unerwünschter Werbung überfällt. Bis zum gestrigen
Tag werden viele
WP-Anwender noch nie etwas von LinkLift gehört haben, aber jeder, der sich die deutsche Version installiert hat, sieht jetzt plötzlich dieses
Plugin an einer Stelle, an der er gewiss keine Reklame für einen kommerziellen Dienst erwartet hat.
Und das bringt mich wieder zu der Frage, wie viel Geld von LinkLift dafür geflossen ist. Das ist die eigentliche Frage, die ich hier habe. Ich glaube, dass es gut ist, wenn das transparent ist - auch für LinkLift und für WordPress Deutschland, auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass der Ausflug in das Spamgeschäft ein schlechter Weg war, von dem man sich hoffentlich schnell erholt. Ich habe diese Frage nicht gestellt, weil ich WordPress sabotieren will, sondern weil mir WordPress am Herzen liegt.
Das klare Benennen hält störende Nebengedanken noch am ehesten fern.
Es kann übrigens auch für LinkLift nicht erwünscht sein, wenn man in die begriffliche Nähe von Spam kommt, die sich immer auch mit eher unseriösen Formen der "Geschäftemacherei" verbindet.
Ich hoffe, mit diesem relativ langem Text zur Begründung einer relativ einfachen und kurzen Frage habe ich die schlimmsten Irritationen ausgeräumt. So, jetzt gehe ich schlafen...